Archiv der Kategorie: Kolumbien

Jardin und Salento

Nun hiess es: anschnallen! Denn die nächsten zwei Tage verbrachten wir im Jeep von Markus auf den Strassen von Ecuador. Die ersten Stunden fuhren wir noch auf der Panamericana zügig durchs Land. Doch später gings durch die Kaffeezone und über Schotterstrassen. Da hatten wir Glück, dass wir in einem Jeep sassen👍.

DSC_0850.JPG

Die Landschaft war genial! Zuerst entdeckten wir einen Berg, der wie eine Pyramide aussah.

DSC_0845-4.JPG

Danach fuhren wir querfeldein vorbei an vielen Kaffeefarmen.

DSC_0849.JPG

Als Mittagshike bestiegen wir mit einem Local einen sehr steilen und ungesicherten Dschungelpfad und kamen nach zwanzig Minuten mitten im Wasserfall an 😃.

DSC_0881.JPG

Natürlich gabs sogleich eine sehr kalte Abkühlung 👍. Nach dem Trek gab es eine Abkühlung in Form eines frischen und gekühlten Saftes😋.

Später fuhren wir weiter ins gemütliche Jardin, wo wir die nächsten zwei Nächte in einem Haus übernachteten. Der schöne Ortsplatz und die riesige Kirche sind das Zentrum und gleichzeitig Treffpunkt für alle und alles. Hier wird gefeilscht, gegessen, gespielt oder gemütlich eine Cerveca genossen.

IMG_3549.JPG

Am nächsten Tag liess ich mich erneut zu einem Reitausflug überreden 🙈. In vier Stunden liefen unsere Pferde einen Wanderweg(!) rauf. Dann erfroren wir fast im einzigartigen Wasserfall, welcher aus einem Höhlenloch runter goss, erwärmten uns an der Sonne und assen ein feines Churrasco aus einem Bananenblatt.

IMG_3514.JPG

IMG_3521.JPG

Dann ritten wir den Wanderweg wieder runter und besuchten zum Ende eine Panela Fabrik, bei welcher die Zuckerrohrpresse mit einer Wassermühle angetrieben wurde. Was sicherlich mein Tageshighlight war.

IMG_3529.JPG

IMG_3526.JPG

Das Reiten hätte ich aber lieber lassen sollen.

IMG_3465.JPG

Nach einem feinen Znacht mit Fisch und Bier übten Stefan und ich uns beim Carambolage Spiel. Doch trotz Snooker-Handschuh und professioneller Instruktion, hätten wir trotzdem beim normalen Snookerspiel bleiben sollen.

Nach Jardin trennten wir uns kurzzeitig von Stefan und fuhren für zwei Tage alleine nach Salento. Denn in diesem kleinem Dorf wartete eine sechsmonatige Nachricht in einem Restaurant auf uns. Unser Kollegenpärchen „die Maurers“ bereisten das Dorf eine Weile vor uns und schrieben uns eine Nachricht an die Wand, die es jetzt zu finden gab. Andrea fing links im Raum an, ich rechts. Nach keinen zwei Minuten wurde Andrea bereits fündig (sogar der Kellner war überrascht). Eine nette Nachricht, die uns sogleich an unsere gemeinsamen Skiferien erinnerte. Danke euch beiden!

IMG_0596.JPG

Danach schmeckte der übergrosse Burger noch etwas besser und stärkte uns sogleich für die Wanderung, welche wir am nächsten Tag vor hatten. Denn mit Gummistiefel und Regenjacke gings auf die Suche nach Koliblis und Wachspalmen. Und wir wurden fündig! Beides war mega eindrücklich. Die Kolibris schienen wie in der Luft zu kleben und einen Augenzwinker später waren sie schon über alle Berge. Diese schlagen nämlich die Flügel bis zu 70 mal in der Sekunde und hören sich an wie Helikopter. Wahnsinn!

DSC_0977-0.JPG

Superman Kolibri:

DSC_0947.JPG

Aber auch die Wachspalmen liessen uns nicht schlecht staunen. Denn die senkrechten Palmen werden bis zu 50 Meter hoch und bieten eine schöne Kulisse.

DSC_1015.JPG

Der relativ strenge Hike rundeten wir mit der Dorfspezialität ab: einen Plastikbecher randvoll mit Erdbeeren und Sahne 😋.

Doch Salento ist vor allem für seine Kaffefarmen und seine bunten Kolonialhäuser bekannt, welche wir bei einem Spaziergang genossen und fotografierten.

DSC_1025.JPG

Bevor die Geschäfte am Morgen öffnen, gehört die Stadt offenbar den Hunden 😎

DSC_1044.JPG

In Cali, unsere letzte Destination in Kolumbien, trafen wir wieder auf Stefan und feierten unser Wiedersehen mit Fleisch vom Grill, Bier mit Pfeffer und Salz und Aguardiente. Danke Stefan, für die interessanten Tage mit dir.

Kolumbien verliessen wir ungern, freuten uns aber auf Quito und die Galapagos, unser nächstes Highlight.

IMG_3578.JPG

Eine verlorene Stadt

Nach einer etwas kurzen Nacht fuhren wir mit einem Minibus nach Santa Marta, welches vier Stunden nordöstlich von Cartagena entfernt liegt. Auch in Santa Marta war es extrem heiss und so begaben wir uns nach dem Einchecken möglichst schnell in ein kühles Lokal und bestellten einen frischen Fruchtsaft. Nach einem leckeren Nachtessen in einem Fischlokal machten wir uns auf den Retourweg zum Hotel, wo es noch einiges zu tun gab! Denn am nächsten Tag sollte unsere viertägige Wanderung zur Ciudad Perdida (verlorene Stadt) starten. Hmm, was muss mit, was lassen wir im Hotel? Im Nu war unser Tagesrucksack voll und wir somit startklar!

Am nächsten Tag wurden wir um zehn Uhr abgeholt und lernten kurze Zeit später auch unsere Wandergenossen/genossinnen kennen: Mylene und ihr Vater Georges aus Frankreich, Whitney und Mara aus Australien und Italien, Courtney aus Amerika sowie Alberto und Beto, die zwei Guides! Nach einer 2.5 stündigen Autofahrt und einem Mittagessen, wanderten wir schliesslich los. Schon nach einem kurzen Stück wechselten wir unsere bereits verschwitzen Kleider zur Badehose und zum Bikini und sprangen in den kühlen Bach. Herrlich! Doch es sollte noch anders kommen. Denn kurze Zeit nach der Abkühlung waren wir schon wieder bachnass und am keuchen. Es ging nur noch bergauf…und wollte nicht mehr aufhören! Oben angekommen, konnten wir dann endlich wieder einmal aufrecht stehen, eine Orange geniessen und durchatmen!

IMG_3334.JPG

Der Weg führte uns weiter und weiter, meistens jedoch mehr oder weniger geradeaus und bergab. Nach drei Stunden kamen wir in unserem „Camp“ an. Und wie gross war die Freude als wir merkten, dass wir in einem Bett und nicht in der der Hängematte (1. Nacht sollte in der Hängematte sein) schlafen werden! Die kalte Dusche war dann Nebensache 😊. Nach dem feinen Znacht wurde es sehr schnell dunkel und da wir wussten, dass es am nächsten Tag früh losgehen würde, gingen wir um sieben ins „Bett“ (Openair mit Moskitonetz und Froschgequake).

Die Wanderung am zweiten Tag sollte sechs Stunden dauern und so ging es bereits um sieben Uhr los. Bergauf, bergab, über Stock und Stein, durch Flüsse und dann noch durch strömenden Regen mit Schlamm und rutschigen Steinen. Als wenn die Wanderung nicht schon genug streng gewesen ist! Völlig durchnässt und durchfroren kamen wir im zweiten Camp an. Die kalte Dusche half da auch nicht wirklich viel 😳. Was uns dann aber wieder ein Lächeln aufs Gesicht zauberte, waren die Popcorns vor dem Znacht 😋. Um sieben Uhr lagen wir bereits im feucht-kalten Openairdormitory-Bett. Nicht gerade angenehm! Aber immer noch Tausend Mal besser, als in der Hängematte zu übernachten! Am nächsten Morgen ging es wieder um sieben Uhr los….mit nassen Kleidern am Körper. Doch eigentlich spielte es gar keine Rolle, denn nur kurze Zeit später waren wir wieder am schwitzen. Die Treppen rauf zur Ciudad Perdida waren anstregend; der Ausblick von oben auf die Täler mit seinen saftig grünen Wäldern danach um so schöner!!! Juhui, es war geschafft!

DSC_0736.JPG

Die Ciudad Perdida ist neben Machu Picchu eine der grössten wiederentdeckten präkolumbischen Städte Südamerikas. Die Ruinenstadt liegt ca. 40 km südöstlich von Santa Marta inmitten der Sierra Nevada de Santa Marta im oberen Tal des Río Buritaca, bedeckt eine Fläche von ca. 2 km² und besteht aus etwa 200 ovalen und runden Terrassen, die teils durch steile, teils durch ebene Steinwege miteinander verbunden sind. Der Grossteil der Stadt wurde zwischen dem 11. und 16. Jahrhundert errichtet und erst 1975 wurde die „verlorene Stadt“ durch Grabräuber wiederentdeckt und geplündert. Danach wurde während der Boomzeit (1960-1980) des Cannabis in der Region auf den Plattformen der Stadt Marihuana angebaut. Ein Jahr später entsandte die kolumbianische Regierung eine archäologische Expedition, die die Stadt vor weiterer Zerstörung schützen sollte.

CSC_0779.JPG

Die Sierra Nevada de Santa Marta und das benachbarte Tiefland sind seit Jahrtausenden bewohnt. Bei der Ankunft der Spanier im frühen 16. Jahrhundert waren die Region um Santa Marta herum und die nördlichen Ausläufer und Abhänge des Massivs von Tairona-Indianern besiedelt. Im Jahre 1600 wurden die Tairona von den spanischen Truppen endgültig besiegt. Die Überlebenden, zusammen mit den Überlebenden anderer Stämme, flohen in das festungsähnliche Gebirge, während für die spanischen Kolonisten andere Regionen von größerem Interesse waren.

Heute leben noch immer mehrere Tausend Kogis in dieser Region, in sehr simplen Hütten und in seeehr einfachen Verhältnissen.

IMG_3341.JPG

Kleider trocknen 😊

DSC_0778.JPG

und hungrige Vögel

IMG_3367.JPG

Und nun die ganze Wanderung wieder retour! Uffff…..! Nach drei Nächten im Freien und 44 Kilometer mehr in den Beinen, kamen wir überglücklich, dass wir es geschafft haben, wieder in Santa Marta an. Jetzt war zuerst Mal Kleiderwaschen und ausspannen angesagt. Denn am nächsten Tag hiess es bereits wieder: Turnschuhe an und los gehts mit Wandern. Unser Ziel hiess: Gabo San Juan im Tayrona Nationalpark. Am Eingang mussten wir unsere Nationalität angeben und wurden sogleich gefilzt. Denn der Soldat meinte nur: „Suiza! Where is your Swiss Army Knife?!“ Denn Messer sind im Park verboten und wir hatten Glück, dass Chrigi sein Sackmesser sehr gut verstaut hatte 😃. Nach einem dreistündigen Hike, vorbei an neugierigen Affen und farbigen Echsen und mit einem Schoggibrötli im Bauch, schliefen wir dann auf einem Campingplatz mitten im Grünen und haben dort sogar noch Mylene und Georges angetroffen 😊.

DSC_0807.JPG

IMG_3389.JPG

Am nächsten Tag übernachteten wir im „chilligen“ Palomino, mieteten dort mit Luft gefüllte Ringe und liessen uns den Fluss runter treiben. Naja, so richtig toll fanden wir das dann doch nicht und kalt wurde es, ohne Sonne am Himmel, auch noch.

GOPR0139.JPG

Für eine weitere Nacht kehrten wir nach Santa Marta zurück. Denn ab dort ging unser Flug nach Medellin, in die ehemalige gefährlichste Stadt der Welt und ehemaligen Wohnsitzes von Pablo Escobar. Er wurde, durch gross angelegten und erstmals in der Kriminalgeschichte industrialisierten Drogenschmuggel, zu einem der reichsten Menschen der Welt. Allgemein wird er als einer der mächtigsten und brutalsten Drogenhändler angesehen, die es je gegeben hat. Seit Escobars Tod im Jahre 1993, „erholte“ sich die Stadt Medellin von Jahr zu Jahr und wurde 2012 zur innovativsten Stadt Südamerikas gewählt. Medellin verfügt als einzige Stadt Kolumbiens über eine Hochbahn (eröffnet 1995), die die Stadt mit ihrer Umgebung verbindet und auch zwei Seilbahnlinien zu den Armenvierteln Santo Domingo und San Javier betreibt.

IMG_3403.JPG

Chrigi und ich genossen den Ausblick von Santo Domingo und besuchten den grossen Platz, auf welchen Boteros (kolumbianischer Maler und Bildhauer) Bronzeskulpturen stehen.

IMG_3416.JPG

Zudem wurden wir wieder einmal „Opfer“ eines versuchten Diebstahls (Philippinen lässt grüssen). Beim durch die Stadt schlendern, bemerkte ich plötzlich, wie jemand von hinten meine Tasche öffnete. Blitzschnell drehte ich mich um und blickte in das Gesicht einer jungen Frau. Ich schrie sie reflexartig auf Schweizerdeutsch an: „Gohts öberhäupt no“! Doch sie liess sich nichts anmerken. Erst als ich ihr auf den Arm schlug, zuckte sie zusammen und rieb ihren Arm (hat ihr wohl wehgetan)! Ganz langsam drehte sie sich um und ging davon. Hey näi! Mein Puls war danach lange auf 180 und im Nachhinein kann sie froh sein, habe ich nicht noch fester gehauen! Jawohl!
Die Abende in Medellin verbrachten wir jeweils mit Stephan und seinem Kollegen Markus. Stephan kannten wir durch Fabi bereits aus Bogota. Zu viert starteten wir am nächsten Morgen, mit dem Jeep von Markus, in Richtung Jardin.

Adrenalin und Farben

Nach ein paar Stunden Busfahrt, eingequetscht zwischen feuchten Schultern, erreichten wir San Gil, die Outdooraktivitätshauptstadt Kolumbiens.

Dann hiess es: Raus aus den Schuhen und rein in die Sandalen. Denn unsere rasante Busfahrt brachte uns über 640 Höhenmeter tiefer und somit in die Wärme. Gleich nach dem Einchecken machten wir uns auf den Weg zum „El Gallineral“ Park, welchen ich jedoch dann mit vielen kleinen roten Blutpunkten am Knöchel verliess. Denn, während Andrea sich mit dem Fotografieren im Park austobte, ruhte ich mich auf einer Bank aus und so erwischte mich wohl ein Schwarm effizienter Mücken.

DSC_0398.JPG

Der Juckreiz wurde mir glücklicherweise durch das feine Znachtessen etwas weggenommen. Denn die „Maurers“ hatten uns das Restaurant „Gringo Mike“ als Burger und Brownie Spezialisten empfohlen. Die Portionen waren riesig, sodass wir die Burger am ersten und das Brownie am zweiten Abend verspeisten 😋.

Aber unser eigentlicher Grund in San Gil zu stoppen, war das Riverrafting. Nachdem unsere Vierergruppe mit dem Fingerabdruck den Vertrag „unterschrieben“ hatte, wurden uns für ca. 30 Minuten alle Sicherheitsvorkehrungen eingetrichtert. Als Neuling in dieser Sportart war mir schon etwas mulmig zu mute. Doch die Freude überwog und nach der ersten Schnelle, war es nur noch purer Spass!

IMG_0636.JPG

Unser Gummiboot mit Kapitän an Bord wurde zusätzlich von zwei Kajakfahrer begleitet. Der Erste war für die Sicherheit verantwortlich, der andere um Fotos zu schiessen und um uns mit Wasser anzuspritzen 😄. Nach einer Stromschnelle der Stärke 4.5 hielten wir an, um dann von einer acht Meter hohen Klippe zu springen. Damit man schliesslich auch noch auf die vollen Kosten kommt, mussten/durften wir dann eine Passage von Stromschnellen nur mit der Weste „durchschwimmen“. Das Abenteuer hat sich sehr gelohnt und es machte auf jeden Fall mehr Spass als zu reiten 😜.

IMG_0634.JPG

Von San Gil aus unternahmen wir einen Tagesausflug nach Barichara, dem anscheinend schönsten Dorf Kolumbiens. Denn dieses besteht vor allem aus gut erhaltener kolonialer Architektur aus dem achtzehnten Jahrhundert.

DSC_0427.JPG

Von dort aus führt der Weg „Camino Real“ nach Guave. Dieser Weg war früher ein Reitweg der spanischen Krone und seinerzeit gepflastert. Jedoch ist von diesen Pflastersteinen heute nicht mehr viel übrig. Der Weg bietet trotzdem eine interessante Wanderung durch die Natur.

DSC_0454.JPG

Am nächsten Tag erreichten wir nach einer langen Busfahrt und anschliessender hoffnungsloser Taxisuche, das Hotel in Barrancabermeja. Da wir gerade kein Bargeld dabei hatten um das Hotel zu bezahlen und auch noch hungrig waren, kutschierte uns die Hotelbesitzerin gleich noch zum Bankautomaten und liess uns vor einer lokalen Essensbude raus. Was für ein Service 👍. Unsere Riesenportion Salcipollo sah übrigens sehr gesund aus 🙈.

IMG_3285.JPG

Nach einer kurzen Nacht holte uns um 5 Uhr früh ein Taxi ab, welches uns am Hafen absetzte. Wir hatten nämlich eine fast sechsstündige Bootstour und eine zweistündige Busfahrt nach Mompox vor. Die ersten sechs Stunden sassen wir in einem vollem Speedboot zusammengequetscht mit Pulli und Windjacke, Schulter an Schulter, am Nichtstun.

IMG_3286.JPG

Nach einem üppigen Mittagsmenü trieben wir an Land einen Privatfahrer auf, um uns nach Mompox zu fahren. Denn eine Bushaltestelle gab es anscheinend nicht (später haben wir sie dann aber noch gesehen)! Leider lud er auch Kind und Kegel auf, welche in dieselbe Richtung mussten. Meine etwas übergewichtige, enganliegende, schwitzende und laute Sitznachbarin, lallte mir ununterbrochen die Ohren voll, sodass ich irgendwann mal mein Gehör mit Nastüchern schützen musste. Abenteuer hin oder her. Das war ein Tag…. 😓.

In Mompox angekommen fanden wir ein nettes und tierfreundliches Hotel, welche die ungebetenen Gäste sanft rausbegleitete 😄.

IMG_0581.JPG

Die Unesco-Welterbe-Stadt ist seit längerem im Umbau und während unseres Besuches spazierten wir von einer Baustelle zur anderen.

DSC_0487.JPG

Zum Glück fanden wir ein italienisches Restaurant und gönnten uns seit langem wieder einmal Pasta und Wein 😋.

Bereits um sechs Uhr in der Früh starteten wir mit dem Bus zum grössten Touristenmagnet Kolumbiens. Doch zuerst mussten wir noch dahinkommen. Im Bus, eingepackt in Kaputzenjacke und zugedeckt mit einer Wolldecke, starteten wir unser Abenteuer. Als nach einer Stunde unser Bus bei der Fährestation anhielt, ahnten wir noch nicht, dass unsere Fähre bereits voll war und unser Buschauffeur fünf Stunden auf die Nächste warten wollte. Nach gut zwei Stunden Wartezeit konnten dann die Locals den Busfahrer umstimmen, uns mit einem Holzboot weiter reisen zu lassen um später einen anderen Bus zu nehmen. Nach guten zwölf Stunden Bus-Boot-Bus-Taxifahrt kamen wir endlich in der farbenfrohsten Stadt Kolumbiens an. Cartagena!

Die ehemalige Sklavenhandelsstadt liegt direkt am Meer. Die sehr gut erhaltene Altstadt ist durch Mauern in zwei grosse Abschnitte unterteilt: dem Sklavenquartier mit niedrigen Kolonialhäuser und dem Herrschaftsquartier mit pompösen und hohen Kolonialhäuser.

DSC_0559.JPG

Das wunderschöne Viertel San Diego hatte es uns besonders angetan. Mit viel Farbe und Blumen bot es nicht nur viele Fotosujets sondern auch einen unglaublichen Charme!

DSC_0556.JPG

Im Hostel trafen wir dann auf einen zusammengewürfelten Haufen aus aller Welt und liessen den Abend mit Bier und Pizza und tollen Geschichten ausklingen.

Kontinentwechsel

Und ja, es war wieder einmal Frieren angesagt! Wir wussten, dass es in Bogota kühler sein wird, doch dass wir mit Hühnerhaut ins Bett gehen müssen, das war wieder eine Umstellung 😊.

IMG_3203.JPG

Bogota liegt auf 2600 m am Fuss der zwei Kordillerenberge Guadalupe (3317 m) und Monserrate (3152 m). Unser Hostel lag im Gebiet „la candelaria“, gleich neben dem Hotel la vieja suiza mit seiner feinen Schweizer Bäckerei. Und so war der Fall für uns mehr als sonnenklar, wo wir jeweils Zmorgen essen werden 😊. Gleich am ersten Tag gingen wir ins Goldmuseum. Mich persönlich interessierte dieses Museum nicht so. Aus diesem Grund sass ich, nach einem schnellen Durchgang, dann frierend (hallo, wo ist die Heizung?) auf einer Bank und las Reiseführer. Nach dem Museum stärkten wir uns mit einer Ajiaco Suppe (eine sämige kolumbianische Hühnersuppe mit verschiedenen Kartoffelsorten und Maiskolben, die üblicherweise mit Sahne und Kapern garniert wird). 😋 Am späteren Nachmittag machten wir uns auf den Weg zu Fabi (eine Freundin aus der Schweiz), welche momentan für ein Reisebüro in Bogota arbeitet. Nach einer Ralleyfahrt, welche über schlechte Strassen mit riesen Schlaglöcher führte und einer Unterhaltung mit dem Taxichauffeur auf Itagnol (Mix aus spanisch und italienisch), kamen wir sicher an. Zuerst gingen wir mit Fabi ins „Fürobebier“ und dann in ein Restaurant, welches für Ceviche (kleingeschnittener roher Fisch) bekannt ist.

Am zweiten Tag wollten wir mit den Öv’s zur Salzkathedrale nach Zipaquira. Und mit den Öv’s fahren heisst, sich in einen vollen Bus quetschen und hoffen, dass von irgendwoher ein Windchen frische Luft kommt und dass man nicht beklaut wird. Man hört ja immer sehr viel Negatives in Sachen Kriminalität von Südamerika….doch wir fühlten uns weder unsicher noch sahen wir etwas Dubioses.

Wir stellten uns die Salzkathedrale in etwa so vor: Kathedrale in einer Höhle, wo früher Salz abgebaut wurde. Falsch gedacht! Denn die ganze Kathedrale war riesig! Ein Weg führte uns tief ins Innere des Berges, vorbei an grossen Höhlen rechts und links des Weges, grossen Steinkreuzen und Farbenspielen. Am Ende gelangten wir in die „Haupthöhle“, welche mit Bänken ausgestattet ist und jeweils am Sonntag Gottesdienste abgehalten werden.

DSC_0213.JPG

Zurück in Bogota gab es dann zum Zvieri eine Empanada (gefüllte Teigtasche) und zum Znacht Tamales (ein Mix aus Maismehl, Reis, Kartoffeln, Rüebli, Erbsen, Zwiebeln und Fleisch – alles verpackt in Bananenblätter). Kulinarisch befanden wir uns im Neuland und unser Mini-Wörterbuch konnte uns bei der Übersetzung auch nicht helfen. Also hiess es, neugierig sein und einfach bestellen! Und wir wurden nicht enttäuscht 😋.

Gestärkt mit einem Gipfeli, einem Nussbrötli mit Butter und Gonfi und 2 heissen Schoggis machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg zum Fusse des Monserrate. Fabi hatte am Freitag frei und stellte für uns ein Tagesprogramm zusammen und so begannen wir morgens um 8 mit dem Aufstieg. Eigentlich dachten wir, wir werden grosse Mühe mit der Höhe haben, doch da lagen wir falsch. Also kamen wir nach circa einer Stunde oben an und hatten einen super Ausblick auf die riesen grosse Stadt.

IMG_0591.JPG

Fabi führte uns dann noch in die Welt des „Speziellen“ ein. Zuerst probierten wir Tee aus Coca Blätter (keine Angst, man wird davon nicht high) und danach gab es eine heisse Schoggi, in welche man Käsestückchen tut und dies dann so trinkt/isst/löffelt. Seeehr speziell 😊. Nach dem Abstieg brachte uns ein Taxi zum Blumen-, Früchte-, Gemüse- und „sonstalles“ Markt.

IMG_3184.JPG

Wir lernten neue Früchte kennen und probierten zum Zmittag dann noch envueltos (Mais und irgendetwas 😊). Später gings weiter zu einem kleinen Hippie-Viertel, wo wir „chicha“ (ein alkoholisches Getränk aus Maisbasis) zu uns nahmen. Es gesellte sich dann noch Stephan, der Arbeitskollege von Fabi, dazu und so wurde schnell noch Bier und Salchipapa (Pommes und gebratene Wurststücke) bestellt. Und der Tag war noch nicht vorbei. Denn am Abend stand noch Tejo spielen auf dem Programm! Von Fabi wussten wir nur, dass noch weitere Personen kommen werden und dass Bier trinken zu diesem Spiel dazu gehört. Mehr verriet sie nicht.

Als wir aus dem Taxi stiegen, hörten wir es schon knallen. Tejo ist eine moderne Version eines südamerikanischen Indianerspieles namens Turmequé. Es wird hauptsächlich in Kolumbien (seit 500 Jahren), aber auch in Ecuador und Venezuela gespielt. Man verwendete dazu eine 0,7 Kg schwere goldene Platte, die sogenannte „turmequé“. Später wurden Stein- und schliesslich Metallplatten benutzt. Im Juni 2000 wurde Tejo vom kolumbianischen Kongress zum Nationalsport ernannt.

Beim Spiel versucht man, eine eiserne diskusförmige Scheibe, den Tejo in den Massen 9 cm × 4 cm, in einen 19,50 m (wir spielten jedoch auf einem kürzeren Feld) entfernten 15 cm durchmessenden Kreis zu werfen und so die dort an dessen Rand aufgelegten dreieckigen Schwarzpulvertaschen zu treffen und explodieren zu lassen. Wenn eine solche Tasche getroffen wird, gewinnt der Einzelspieler oder das Team, unabhängig davon, wer der Mitte am nächsten liegt. Falls keine Tasche explodiert, gewinnt die Person oder das Team, dessen Tejo näher am Kreis liegt. Die Partien werden traditionell von alkoholischen Getränken wie Bier und Aguardiente (Schnaps aus Anis und Zuckerrohr) begleitet. Die Brauereien sind daher die grössten Sponsoren.

IMG_0590.JPG

Und nach einem feucht-fröhlichen Spiel gingen wir mit unseren neuen kolumbianischen Freunden noch in die Disco! Salsa hier, Merengue da….und wir Europäer waren aufgeschmissen💃. Danke für diesen tollen Tag, Fabi!

IMG_3199.JPG

Das Taxi brachte uns am nächsten Tag zum Busbahnhof, wo wir in den Bus nach Villa de Leyva stiegen. Dieses Städtchen ist vorallem für seinen grossen Platz bekannt (angeblich der grösste in ganz Kolumbien). Auch wurde es schon früh zum nationalen Denkmal ernannt und so von modernen Bauten wie Büro- und Wohnhochhäusern verschont. Deshalb gibt uns heute Villa de Leiva einen Eindruck von Architektur und Ambiente der kolonialen Zeit. Die nur einstöckigen Häuser mit ihren Ziegeldächern, die Kirche mit ihren massigen und niederen Türmen und das jahrhundertealte Kopfsteinpflaster der riesigen Plaza waren deshalb immer wieder Kulisse für historische Filme. Ein gemütliches Städtchen!

DSC_0372.JPG

Und es werden Ausflüge hoch zu Ross angeboten 😁. Also sassen wir am nächsten Tag auf dem Rücken von Pferden und schaukelten oder hüpften durch die Gegend. Und für nicht geübte Reiter (für Chrigi das erste, und seiner Meinung nach, das letze Mal) war am nächsten Tag Muskelkater und blaue Flecken angesagt 😂.

IMG_3279.JPG