Reisterrassen und andere Amphietheater

Nach einer neunstündiger Nachtbusfahrt im „Gefrierschrank“ stiegen wir, immer noch eingemummt mit Traineranzug, Kaputzenpulli und Decke, in Banaue, im Norden der Philippinen, aus. Im Halbschlaf, ohne Kontaktlinsen und ohne gebuchte Unterkunft, liessen wir uns von einem Tricycle auf gut Glück zu einer Unterkunft namens Nature’s Mist bringen. Die Pension hatte glücklicherweise ab 10:00 Uhr ein Zimmer frei. Also blieb uns nun die Wahl zwischen einem Nickerchen auf der Lobbycouch oder den Sonnenaufgang über den Reisterassen auf dem Lookout zu geniessen. Andrea fand sich fünf Minuten später, zu ihrer Überraschung, bereits auf dem Tricyle Richtung Lookout. Sie war einfach zu müde um sich wehren zu können, was ich schamlos ausnutzte 😉!

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Vom Lookout aus hatten wir einen wunderschönen Ausblick in die Weiten der grossflächigen Reisterrassen. Insbesondere mit den ersten Sonnenstrahlen, welche unsere Körper langsam aufwärmten. Banaue’s einzigartiges Weltkulturerbe wird in ganz Philippinen geschätzt und die Reisterrassenansicht vom Lookout ist sogar auf der 20er Pesosnote aufgedruckt. Zu unserer Freude sassen vier ältere Menschen in traditioneller Kleidung auf einer Bank, welche uns einluden, sich mit ihnen abbilden zu lassen – natürlichen für ein kleines Trinkgeld, welches wir sehr gerne der ältesten und stolzesten Frau überreichten.

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Nach einem kurzen Mittagsschläfchen ging es mit unserem Guide Demetrio auf eine dreistündige Wanderung querbeet durch Reisterassen, Wasserläufe und Dschungel. Auch fanden wir kurz Zeit, seinen Onkel zu besuchen, welcher mitten in den Reisterrassen in einer traditionellen Hütte wohnte. Auf die Frage, was sein alter Onkel den ganz Tag lang mache, antwortete unser Guide, als wäre es das natürlichste der Welt: Nothing 😊.

Am nächsten Tag brachten wir unsere angesammelte, verschmutzte Kleidung in die Reinigung und erschienen um acht Uhr beim Touristeninformationszentrum. Wir hatten nämlich die hochgepriesene Tagestour nach Batad gebucht. Aber vorher mussten die Guides auslosen, wer die Führungen nach Batad leiten durfte. Hoch über den Köpfen hing eine Kartonschachtel, in welcher sich mit Nummernversehene-Plastik-Coca-Cola-Deckel befanden. Jeder Guide konnte einen Deckel ziehen und die drei tiefsten Nummern gewannen. Drei Guides waren erfolgreich und konnten sich somit auf ein Trinkgeld nach dem Tagestrip freuen, unter anderem auch unseren Demetrio. Die anderen Guides mussten in Banaue bleiben und auf Tagestouristen warten. Somit haben alle Touristenführer die gleichen Chancen.

Informationen zur Wanderung oder irgendwelche Anforderungen an die Touristen gab es keine, wie so oft in den Philippinen. Somit befanden wir uns mitten in einer kunterbunten Truppe. Die Italiener trugen Flip Flops und Daunenjacken, die Asiaten waren etwas zu rundlich für eine Wanderung und die Tschechen hatten ihren ganzen Backpack dabei. Ich war schon froh, dass ich einige Wandererfahrung hatte (auch dank Megä aka Bergführer) und wusste, wie man eine Wanderung anzutreten hat (Auch wenn ich auf jenen Wanderungen eher rennen musste als wandern, gäll Remo 😉).

Der Hike begann ungewohnt zuoberst am Berg und ging die erste Stunde über einen Pfad und hunderten von Treppen nach unten. Die erste Zwischenstation Batad erreichten wir nach einer Stunde und diese war Restaurant und Aussichtspunkt in einem. Die Sicht war schlicht und einfach spektakulär. Die Reisterrassen glichen einem Amphietheater, welches hunderte von Metern dem Berg empor stieg. Durch das Restaurantfenster erschien das ganze wie ein lebendiges Bild!

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Doch bereits hier trennte sich die Spreu vom Weizen. Unsere 10er Gruppe dezimierte sich, aufgrund der körperlichen- und Ausrüstungsaspekten, auf vier Nasen. Unser Quartett wurde von Demetrio geführt, welcher uns gekonnt durch die steilen Reisterrassen von Batad führte. Weitere hunderte von Höhenmeter und Treppen abwärts, erreichten wir den 30 Meter hohen Wasserfall Tapia. Dies bedeutet gleichzeitig Halbzeit und einen verdienten „Schwumm“ im See unter dem Wasserfall. Auf dem Rückweg nach oben erzählte uns Demetrio, dass Banaue zwar aufgrund der Historischen Aspekte (2000 Jahre alt) als DER Reisterrassenort bekannt sei, aber Batad klar die Hauptattraktion in der Umgebung sei. Demetrio ist in Banaue aufgewachsen und sei biftyfor (54) Jahre alt. Sein Geld verdiene er während der Sommersaison mit Touristenexkursionen. In den restlichen Monaten arbeite er als Zimmermann oder als Jeepney Co-Driver (derjenige der von den Fahrgästen das Fahrgeld entgegen nimmt). Ein interessanter Mann, welcher das Glück hat Turnschuhe zu tragen, im Gegensatz zu den anderen Guides, welche sich nur Flip Flops leisten können. Übrigens war er ein sehr sympathischer Typ, auch wenn das Foto dies nicht unbedingt erahnen lässt 😃

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Nach dem happigen Aufstieg erinnerte ich mich an den gestrigen dreistündigen Banauetrek, bei welchem Demetrio gemeint hatte, dass dieser im Gegensatz zum Batad Trek ein Warm-up sei. Er hatte definitiv recht 😅.

Zuoberst, mitsamt den fluchenden Tschechen, wieder beim Jeepney angekommen und glücklich, dies durchgestanden zu haben, genossen wir die Fahrt zurück nach Banaue auf dem Dach vom Jeepney 😁.

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Und als wir im Dorf ankamen, trafen wir auf ein interessante Terassenbeschmückung. Unsere Kleider schienen nun gewaschen und getrocknet zu sein 😂

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PS: in der Galerie auf unserer Homepage findet ihr übrigens noch viel mehr Fotos.

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Ein Gedanke zu „Reisterrassen und andere Amphietheater“

  1. soo kuuuul! juhui, nor no 88 täg bes i öich ändli weder gseh! 🙂 🙂 🙂
    ❤ ❤ ❤ gigi erhol di guet, das wird schträng 😀 hihi

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