the „Philippino way“

Nach neun strengen Tagen war es wieder Mal Zeit, die Wanderbeine an einem Strand zu erholen. Ipad gestartet, Flug gebucht und beim Italiener mit einem Limoncello auf unsere nächste Destination angestossen: Boracay!

Am nächsten Tag checkten wir mal die Infrastruktur auf Herz und Nieren: Angeles City-Jeepney-Bus-Taxi-Propellerflugzeug-Tricycle-Boat-Tricycle-Boracay! Der Trip dauerte acht Stunden und wir erreichten unser Hotel just beim Sonnenuntergang! Was für ein Anblick!

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Boracay ist vor allem für seine fantastischen Sonnenuntergänge bekannt, den postkartenwürdigen Palmenstrände sowie fürs türkisgrüne, klare Wasser! Schlicht, ein Traum! Die Restaurants sind aber auch nicht ohne. Jede internationale Küche ist vertreten. Auch die Schweiz; mit Kalbsbratwurst und Züri Gschnätzeltes 😃. Mit der Wurst im Teller und den Füssen im Sand fühlten wir uns, als grosse Seefahrernation, wie zu Hause ⛵️. Der Tag wurde mit einem Fanta (1 CHF) und einem Caipirinha (60 Rappen) abgerundet. Nach vier Tagen entweder am Strand, Restaurant oder im Himmelbett, buchten wir unseren nächsten Flug via Cebu Richtung Malapascua. Dachten wir zumindest… Am nächsten Morgen dann die E-Mailüberraschung. Der Flug konnte aufgrund einer Überbuchung nicht endgültig bestätigt werden. Auf gut Glück wollten wir es beim Flughafen selber versuchen. Und an diesem Punkt muss man die Philippinos wirklich loben. Uns wurde schon mehrmals aus reiner Hilfsbereitschaft geholfen und alles Mögliche organisiert. Egal ob Türsteher, Polizist oder Passant. Alle legten sich sofort ins Zeug und man war erste Priorität. Und als wir uns jeweils mit einem freundlichen „Thank you“ bedankten, begannen sie erst recht zu strahlen. Obwohl sie uns geholfen haben, gaben sie UNS das Gefühl, ihnen den Tag bereichert zu haben.

Etwas anders sieht es aus, wenn man gewisse Arbeitsabläufe genauer unter die Lupe nimmt. Öfters ist uns die Strukturlosigkeit in vielen Belangen aufgefallen. Ein Beispiel für die fünfminütige Überfahrt nach Boracay: Beim ersten Schalter löste man das Fahrticket nach Boracay. Beim zweiten das Environmentticket, beim dritten das Terminalticket. Fünf Meter weiter vorne riss eine Mitarbeiterin die Bons der Tickets zwei und drei ab und sogleich öffnete eine weitere Mitarbeiterin ein Drehkreuz mit einem immer wieder neuen Badge. Zwanzig Meter weiter vorne nahm ein weiterer Mitarbeiter das letzte Ticket entgegen und liess uns endlich ins Boot 😅. Mal abgesehen von den weiteren fünf Nasen, die zwischen diesen Posten einfach herumstanden.

Auf jeden Fall standen wir nun am Flughafen Boracay und kamen wieder mal in den Genuss der übereifrigen Helfer. Der Verkäufer suchte uns einen passenden Flug von einem anderen Flughafen raus und sogleich verschwand ein Mitarbeiter, um einen Minibus zu organisieren. Ein weiter rannte mit Andrea zum Terminal und liess sie in die Ankunftszone der Passagiere rein, um Geld abzuheben. Und die vierte im Bunde, die schminkte sich bereits seit unserer Ankunft unbekümmert weiter 😀. Somit war unser Flug innerhalb von fünf Minuten organisiert und der Minibus, voll beladen mit Touristen, stand schon vor der Tür und wartete nur noch auf uns. Angekommen am winzigen Flughafen, fanden wir noch vor dem Eingang eine Schlange von ca. 200 Touristen vor. Mit dem Gedanke im Hinterkopf, dass unser Check-in bereits in 15 Minuten schloss, suchte ich bereits nach einem Schlupfloch. Also lief ich zuvorderst zur Schlange, traf auf einen Polizisten und erklärte unser Problem. Ein paar Minuten später 😝, hatte uns der Polizist wie ein Bodyguard bis zum Check-in durchgeschleust. Wir waren bereits als Nächste an der Reihe und irgendwie schien es uns fast normal, dass „the Phlippino Way“ wieder einmal funktioniert hatte 😎.

Am Ende des Tages rekapitulierten wir den Tagestrip: Boracay-Tricycle-Boot-Tricycle-Minivan-Flugzeug-Privattaxi-Privatboat-Malapascua Island-Sonnenuntergang 😎. Wir checkten bei Fredy, einem pensionierten Schweizer, im Cocobana ein und assen im besten Restaurant der bisherigen Reise. Beim Italiener „Angelina“ 🇮🇹🇮🇹🇮🇹!

Malapascua ist eine wunderbare kleine Insel, welche man in drei Stunden zu Fuss umrundet hat. Gleichzeitig ist sie aber auch eines der Opfer des Taifuns vom November, welcher Hunderttausende auf den Philippinen zur Obdachlosigkeit gezwungen hat. Sehr viele Häuser, Palmen und Schiffe wurden vollständig zerstört und letztere wurden sogar durch die unglaubliche Windstärke auf Bäume gehievt. Der Verwüstungsakt, welcher die Insel schwer mitgenommen hatte, dauerte fast vier Stunden. Die Hotel- und Restaurantbesitzer erzählten mir erstaunliches. Die Einheimischen vergossen weder Tränen noch fluchten sie. Nein, sie begannen sofort mit dem Aufräumen und Aufbauen. Die Aufbau- und Räumungsarbeiten gehen jedoch schleppend voran, erstens weil die Rohstoffe in der Region nirgends mehr erhältlich sind und zweitens weil die modernste Maschine auf der Insel eine kleine Handfräse ist.

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Von all dem gesammelten Geld der Hilfswerke haben die Einwohner bisher keinen Peso gesehen. Und werden dies wohl auch nicht. Umso schöner ist es, dass zwei Schweizer Zimmermänner eine Schule aufbauen und eine weitere kleine Organisation den Aufbau von Wohnhäuser und Gemüsegärten zur Selbstversorgung der Einwohner hier in Angriff nimmt.
http://riseabove-cebu.org

Aber das Leben auf der, trotz allem, wunderschönen Insel geht weiter. Die Bewohner gehen ihren Gewohnheiten nach und pflegen ihre Traditionen weiterhin. Als wir nämlich die Insel bei einem Spaziergang in Augenschein nehmen wollten, hörten wir weit entfernt jubelnde Männerstimmen. Ich kombinierte sogleich: Männerstimmen, Sonntagnachmittag, Dorfkern. Da findet doch…!?! Yes! Innerhalb Sekunden hatte ich Andrea bereits um zwanzig Meter distanziert und folgte der immer lauter werdenden Männerstimmen. Angekommen in der Arena, stieg ich sofort auf eine Tribüne aus Bambusrohren und erlebte ehrliche und echte kulturelle Momente. Ich erlebte meinen ersten Cockfight!

Dieser findet jeden Sonntag statt und ist eines der Wochenhighlights der Philippinos. Zuerst werden in der Arena, in den Händen der Besitzer, zwei Hähne dem Publikum präsentiert. Als zweiter Akt dürfen sich die federnden Gladiatoren, welche sich immer noch in festem Griff befinden, „beschnuppern“ oder „küssen“. Das bedeutet, dass die Köpfe der Hähne aneinander gehalten werden und die Kampfhähne nun ihren Kragen als Machtdemonstration aufstellen. Anhand der von den Hähnen gezeigte Aggressivität wird die Quote und der Wetteinsatz festgelegt. Um die Kämpfe zusätzlich blutrünstiger und wohl auch etwas kürzer zu machen, ist an einer Kralle ein ca. 7 cm langes, scharfes Messer befestigt und soll nur einem Zweck dienen: Den anderen Hahn zu töten. Als zweite Waffe dient der Schnabel, welcher gnadenlos zu picken kann. Und dann geht es los! Die Kampfhähne werden losgelassen und die Männer lassen ihren Emotionen freien Lauf. Erst nachdem ein Hahn am Boden liegt, greift der Schiedsrichter ein. Das passiert bereits nach ein paar Minuten. Der Kampfrichter hält beide Hähne in die Luft und lässt den scheinbar besiegten Gegner auf den Boden fallen, um nachzuprüfen, ob dieser auch tot ist. Ist dies nicht der Fall lässt er den anderen Hahn wieder frei und der Kampf geht weiter. Bewegt sich dieser aber nicht mehr, ist der Kampf beendet und der besiegte Hahn landet im Kochtopf 🍗.

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Ein Gedanke zu „the „Philippino way““

  1. hey ehr zwöi reisefödlis!
    tolli föteli, lässigi gschechte….öiche blog zverfolge macht spass ond löst färnweh us, danke 🙂
    liebi grüess biggi

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