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Minen und Wüsten

Unser zweitägiger Aufenthalt in Potosi war für mich eine Lehrstunde. Denn diese etwas karge, raue Stadt zeigte mir ein interessantes geschichtliches Kapitel auf.

Dieses begann als die Spanier im 16. Jahrhundert Südamerika eroberten. Mit Potosi wurde aber nicht nur eine weitere Stadt eingenommen, sondern ein riesiges Vorkommen an Silber in Form eines Berges. Kurz darauf startete eine über Jahrhundert andauernde Ausbeutung der Rohstoffe und indigener Arbeiter. Letztere mussten nämlich bis zu drei Monate pro Jahr in den Minen arbeiten, um ihre angeblichen Steuerschulden bei den Spaniern zu begleichen. Die Arbeit war hart, die Arbeitsschichten lang und der Staub verstopfte die Lungen, sodass viele an Lungenkrebs starben. Doch damals interessierte es niemanden. Denn das Silber war gleichbedeutend mit Macht und bereicherte das spanische Königreich ungemein.

Um das Edelmetall nach Spanien transportieren zu können, musste es zuerst in Münzform umgewandelt werden. Somit wurde Potosi kurzerhand zur Münzherstellungsstätte erkoren. Eine der einzigen der Welt. Im nu war Potosi eine der bekanntesten Städte überhaupt und auf jeder Weltkarte eingezeichnet. Das heutige Museo della Moneta zeigt die gesamte Einwicklung der Münzprägung von 1572 bis 1950. Darunter befinden sich sogar einige Maschinen, welche Leonardo da Vinci extra für Potosi entwickelt hat. Potosi gilt ausserdem als Gründungsstadt der heutigen Münze, wie wir sie kennen.

Und heute? Nach mehreren Jahrhunderten gibt es die Minen immer noch. Sie sind inzwischen sogar grösster Arbeitsplatz der Stadt. Denn sechzehn Tausend arbeiten heute immer noch im inzwischen löchrigen, etwas instabilen Berg. Auch gibt es mittlerweile X-Tausend Eingänge, viele über Etagen miteinander verbunden. Dies birgt die grösste Gefahr, denn Tod durch Mineneinbrüche ist die häufigste Todesursache. Nichts desto trotz ist die Arbeit in der Mine ein zweischneidiges Schwert. Einerseits verdient man ausserordentlich gut und das Einkommen ist steuerfrei. Andererseits ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass man zwischen 45-50 an Lungenkrebs sterben wird, wenn man nicht schon vorher vom Berg verschlungen wird.

Doch auch das Coca Blatt hatte eine sehr bedeutende Stellung. Denn mit den Spaniern fand logischerweise auch die Katholische Kirche ihren Weg nach Südamerika. Und das Coca Blatt, welches von der indigenen Bevölkerung seit eh und je gekaut wurde, war dem heiligem Stuhl zu Beginn ein Dorn im Auge. Also verteufelten und verboten sie es. Dass das Coca Blatt aber ein Wundermittel war, fanden auch sie kurze Zeit später selber heraus. Die Spanier merkten nämlich, dass die Arbeiter durch das Kauen des Coca Blattes, weder müde noch hungrig wurden. Kurzerhand wurde das Teufelsblatt nicht nur als legal erklärt, sondern gleich für alle Minenarbeiter obligatorisch. Und um das Coca Blatt dann noch zu vergolden, wurden gleichzeitig noch Steuern darauf erhoben 💰💰💰. Der Coca Handel ging sogar so weit, dass das grüne Blattes den gleichem Wert wie Silber hatte.

Der eigentliche Grund warum es aber Touristen in die kalte Stadt zieht, ist die Chance, ein Minenalltag hautnah erleben zu können. Denn ehemalige Minenarbeiter bieten eine Führung rund und inmitten der Silberminen an. So war es auch kein Wunder, dass uns dies gleich mehrere Bekanntschaften empfohlen hatten. Denn um solche ehrliche Erfahrung machen zu können, reist man ja schliesslich um die Welt. Ich packte die Chance beim Schopf und wartete recht neugierig auf den Start der sechsstündigen Minentour. Als allererstes musste man als Miner angezogen werden, was dann so aussah:

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Weiter gings zum Miners Market, wo jeder der Teilnehmer nach belieben Dynamit (!), Zündschnur, Coca Blätter, Süssgetränke und 96 prozentigen Alkohol kaufte. Mit letzterem (ich gab ihm den Spitznamen Halstrockner) wurde dann noch angestossen. Der ganze Einkauf war nicht für den Eigengebrauch gedacht. Die gekauften Waren wurden nämlich während des Besuchs an alle Minenarbeiter abgegeben, als Gegenleistung dafür, dass sie uns an ihrem Arbeitsalltag teilhaben liessen.

Die Arbeit als Miner wird seit Generation zu Generation weiterverfolgt. Auch aus diesem Grund sind Kinder in den Minen denn auch keine Seltenheit. Die Minenarbeiter sind stolz auf ihren Beruf und erzählten uns auch, wie lange sie bereits in den Minen ihr Brot verdienen oder wie lang ihre Schicht an diesem Tag noch dauern soll. Nach zwei Stunden in den Minen und über 1700 Meter tief im Berg drin, ehrten wir noch den Tio (Teufel des Berges) und schenkten ihm Coca Blätter, Zigaretten und Alkohol als Dank, dass er uns wieder heil raus liess.

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Neben all dem lernte ich in der mit 4070 Meter über Meer befindenden höchsten Stadt der Welt, was ein Submarino Getränk ist. Ein warmes Glas Milch in welches man ein Schoggistängel eintaucht und dieses langsam vergehen lässt. Sozusagen ein selbstmörderisches U-Boot 😋.

Uyuni als letzte Reisedestination in Bolivien stand schon seit längerem fest. Von dort sollte es nämlich mit einer dreitägigen „Salar de Uyuni“ Tour nach Chile gehen. Doch am ersten Abend in Potosi trafen wir wieder das nette Holländerpaar Dennis und Milou. Diese erzählten uns von der Stadt Tupiza und von der Rundreise quer durch den Salar de Uyuni. Wie es halt beim reisen so ist, erreichten wir zwei Tage später nicht Uyuni, sondern das umgeplante Tupiza. Um fünf Tage später dann in Argentinien einzureisen 😄👍.

Der Tipp, die Rundreise durch mehrere Nationalpärke inklusive Salar de Uyuni nachzugehen, war Gold wert. Denn glücklicherweise trafen wir unsere Tippgeber wieder und starteten am nächsten Tag zusammen mit eigenem Jeep und Guide unseren genialen Trip.

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Die Reise durch die riesige Fläche bot eine unglaubliche Vielfalt von Fauna und Flora. Am ersten Tag führte uns der Weg an Canyons und Vulkanen vorbei und wir lernten dabei diverse Tiere und Kakteen kennen.

Am zweiten Tag besichtigten wir unter anderem Salzseen, in welchen man immer noch Salz abbaut. Weiter besichtigten wir eine Geysir Landschaft und die unglaubliche Laguna Verde. Nur das Timing der Hauptakteure stimmte beim Fotoshooting nicht so ganz 😄.

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Auch fanden wir etwas minderfahrtaugliche Fahrzeuge, in denen man uns ans Steuer liess 😜.

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Der dritte Tag haute, mit der Besichtigung der roten Lagune, alle von den Socken. Vor allem weil diese mit unzähligen Flamingos bevölkert war und dies auf 4000 Höhenmeter.

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Der Abstecher im Hot Water Pool war da nur noch Nebensache 😎.

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Die letzte Nacht auf der Tour verbrachten wir im genialen Salzhotel. Wie es der Name schon erahnen lässt, ist dieses komplett aus Salz!

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Am letzten Tag kam das eigentliche Highlight. Was meiner Meinung nach das Pünktchen auf dem i war. Zu Unzeiten starteten wir im Dunklen, um quasi im Nichts über die Salzwüste zu fahren. Als dann auch die Sonne ihren Tag startete, hielten wir diesen Moment natürlich mit eine Sprung mitten in der Wüste fest.

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Unser nächster Wanderstopp war dann eine Insel aus versteinerten Korallen, überwuchert mit riesigen Kakteen. Passte in der Salzwüste wie eine Faust aufs Auge. War trotzdem eine sehr interessante Veranschaulichung der Naturgesetze.

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Später kam dann das am meisten erwartete Highlight. Denn die Salzwüste bietet eine einzigartige Kulisse, indem der Betrachter des Bildes optisch getäuscht werden kann. Das Resultat spricht für sich selber 😁

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Als Abschluss besuchten wir den riesigen und imposanten Lokomotivfriedhof.

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Nach vier Tagen, etwa 40 Stunden Fahrzeit und das Gefühl auf einem unbewohnten Planeten zu sein, kamen wir zurück zur Realität. Nicht zur richtigen, zur Reiserealität 😄. Zur richtigen gehts zum Glück noch eine Weile.

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Copacabana, La Paz und Sucre

Nach einer 8-stündigen Busfahrt erreichten wir am Abend Puno, wo wir nur zum Übernachten anhielten. Am nächsten Tag verliefen die Fahrt zur Grenze, der Grenzübergang nach Bolivien und auch die Weiterfahrt nach Copacabana ohne Probleme. Das touristische Städtchen liegt am Ufer des Titicacasees, welcher der höchst gelegene (3810 Meter über Meer) Süsswassersee der Welt ist. Im Bus machten wir noch mit 2 Pärchen aus der Schweiz Bekanntschaft, Silvia & Martin und Rebecca & Lukas. Der Fall war klar: man traf sich zum Nachtessen. Und daraus wurde ein lustiger und gemütlicher Abend!

Der nächste Tag verbrachten wir mit Lesen und Liegen im Hotelzimmer. Denn irgendetwas brachte unser Magen-Darm-System so richtig durcheinander und da will man sich nicht zu weit weg von einer Toilette aufhalten 🙈. Am Abend gings dann bereits wieder ein wenig besser und wir dachten, dass die italienische Küche unserer Verdauung bestimmt gut tut. Gesagt, getan, und das alles mit Gunilla! Per Zufall liefen wir unserer dänischen Bekannten in Copacabana wieder über den Weg 😊. Die Pasta war und tat gut und wir hatten uns vieles zu erzählen. Mit vollen Bäuchen verabschiedeten wir uns dann wieder von Gunilla. Dieses Mal wohl zum letzten Mal. Ihre Route führte sie nämlich woanders durch.

Am nächsten Tag tuckerten wir mit dem Schiff zur Isla del Sol (Sonneninsel) hinüber. Nur leider sah es gar nicht nach Sonne aus und als wir im Hafen im Norden der Insel ankamen, regnete es sogar ein wenig. Doch wir liessen uns von unserem Vorhaben, vom Norden in den Süden zu wandern, nicht abbringen. Mit Sandra und Reto (einem weiteren Schweizer Paar) liefen wir die paar Kilometer Richtung Süden. Das Wetter spielte zum Glück mehr oder weniger mit und am Schluss genossen wir dann im Süden der Insel doch noch die Sonne.

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Gegen Abend kehrten wir wieder nach Copacabana zurück und assen mit all „unseren“ Schweizer (diesmal sogar zu acht) Znacht.

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns und machten uns auf in Richtung La Paz. Die Aussicht während der Busfahrt entlang dem Titicacasee war wunderschön. Nur leider hatte es der Buschauffeur ein wenig eilig: die Fotos aus dem Bus sind alle verschwommen. Als wir plötzlich anhielten, stiegen die Einheimischen aus und liefen Richtung See zu einem Bootssteg. Also folgten wir ihnen. Und gleich nachdem alle ausgestiegen waren, fuhr unser Bus auf eine Miniminiminifähre…..wenn die nur nicht untergeht 😊.

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Es ging aber alles gut und so erreichten wir La Paz am späten Nachmittag.

Über La Paz hörten wir sehr viel Gutes wie auch Schlechtes. Uns jedoch hat es gleich von Anfang an sehr gefallen; vermutlich lag es daran, dass wir gleich nach der Ankunft durch die Strassen, gefüllt mit vielen Souvenirläden, schlenderten 😃. Am nächsten Tag liessen wir uns mit der Gondelbahn zu einem Markt bringen. Man konnte dort alles kaufen; von Autoersatzteilen, über Lebensmittel, CD’s und so weiter. Nur konnten wir all dies nicht wirklich brauchen und so verliessen wir den Markt in Richtung La Paz’s Friedhof. Über diesen fuhren wir nämlich mit der Gondelbahn und er sah von oben herab schon sehr interessant aus. Ein Friedhofsbesuch? Ja, ich weiss, es kommt einem vermutlich komisch vor, aber dieser Friedhof war wirklich ein wenig anders als bei uns; irgendwie schön und interessant.

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Um kurz vor 2 Uhr trafen wir vor dem Gefängnis „San Pedro“ ein. Chrigi und ich haben beide das Buch „Marching Powder“ (seeeehr zu empfehlen) gelesen und so fanden wir es umso interessanter, live vor diesem Gefängnis zu stehen. Und eigentlich möchte ich jetzt gar nicht mehr über San Pedro erzählen: geht in einen Buchladen, kauft das Buch und seid überrascht und erstaunt 😃. Um 2 Uhr startete dann die gratis La Paz Führung von „red caps“, welche sehr informativ und interessant war.
Auf dem Nachhauseweg (unser Zuhause ist das jeweilige Hostel 😜) trafen wir per Zufall wieder auf Rebecca, Lukas, Silvia und Martin, welche auf der Suche nach einem Schweizer Restaurant waren. Es war etwa halb fünf Uhr und wir 2 waren noch nicht wirklich hungrig. Chrigi konnte dann jedoch den Käsespätzli doch nicht widerstehen. Und wen sahen wir per Zufall dort noch? Gunilla 😄.

Um halb 9 gingen wir dann „richtig“ Znachtessen; wieder einmal mexikanisch und dazu gab es eine Flasche Bolivianischen Rotwein. Und dann verabschiedeten wir uns wieder von den Schweizer. Sofern der Plan umgesetzt wird, treffen wir uns dann mal in der Schweiz zum Brunchen, mit Lachs 😄.

Wer La Paz besucht, besichtigt sicherlich auch den Hexenmarkt. Es gibt nur wenige Stände und Läden, doch diese wirken mit den toten Lamas, welche vor jedem Shop hangen, ziemlich gruselig.

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Die red caps erzählten uns, dass diese kleinen Lamas alle auf natürliche Art gestorben sind. Leute, welche ein neues Haus bauen, kaufen diese und „opfern“ sie der Mutter-Erde. Sie werden also unter dem Haus „begraben“ und sollen das Haus so beschützen.

Von La Paz flogen wir dann nach Sucre, in die Hauptstadt Boliviens.

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Wir quartierten uns vier Nächte im Hostel La Dolce Vita ein und genossen die Gastfreundschaft von Jacqueline und ihrem Ehemann sehr. In Sucre haben wir es uns richtig gut gehen lassen: wir gingen fein und teuer (für unsere Verhältnisse jedoch seeehr günstig) Essen, ein wenig Ausschlafen, selber kochen und Zopf backen (diesmal hats geklappt) 😋 …. Auf einem Ausflug konnten wir zudem millionen-alte Dinosaurier-Spuren betrachten.

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Und zudem lernten wir Dennis und Milou, aus Amsterdam, kennen.